Gewohnheitstiere und andere Hindernisse bei der Auseinandersetzung

Einige meiner Klient*innen, die betriebsbedingte Kündigungen erhalten haben, wirken fast erleichtert. Hinter manchen liegen einige Jahre der latenten Unzufriedenheit, angefangener Überlegungen zu internen und externen Möglichkeiten der Veränderung und der dann doch verstrichenen Zeit.

Was hat sie davon abgehalten, sich ernsthaft mit sich auseinanderzusetzen?

„Bequemlichkeit“, antworten manche, den Wunsch nach Sicherheit nennen andere. Ausschlaggebend ist häufig auch, dass viele es gar nicht so einfach finden, sich selber auf die Schliche zu kommen.

Wie finde ich denn heraus, was ich eigentlich will, was Sinn für mich hat, wo ich meinen Beitrag leisten kann? Häufig tragen wir ein wirres Knäuel an eigenen und übernommenen Vorstellungen in uns – Vorstellungen von dem, was und wie Arbeit sein soll und Vorstellungen von dem, was wir können und leisten sollen.

Unzufriedenheit und Stress tragen dazu bei, dass alle Komponenten einer Situation unmittelbar miteinander verknüpft wahrgenommen werden. In der Psychologie spricht man von Assoziation: wir sind stark verbunden mit der Situation, die Unzufriedenheit wird als zu uns und dem aktuellen Geschehen untrennbar dazugehörig empfunden. Und wenn ich in einem solchen Erleben stecke, dann habe ich vielleicht gerade wenig Zuversicht, dass ich es besser gestalten kann. Damit hält nicht nur das „Gewohnheitstier“ in uns von der weiteren Auseinandersetzung ab sondern auch unser in solchen Phasen oft geringeres Selbstwertgefühl.

Wo und wie fängst du an?

Der erste Schritt klingt immer so einfach und erfordert doch einige Übung wie der Boom an Achtsamkeitstrainings zeigt: INNEHALTEN, Abstand gewinnen, sich mal von oben betrachten. Dissoziation wird das in der Psychologie genannt. Während Du im assoziierten Zustand tief in alles Erleben eintauchst und ganz diese Situation und dieses Gefühl bist, bedeutet der dissoziierte Zustand, ein Stück weit von außen auf alles zu blicken.

Raus aus dem Hamsterrad des Alltags, den liebgewonnenen Ärgernissen und Gewohnheiten! So gelingt es, die Einflüsse, die alle auf Dich wirken, nicht nur unmittelbar zu spüren sondern sie zu betrachten, zu hinterfragen, einen anderen Blickwinkel einzunehmen.

Wie funktioniert das Innehalten?

Wie die meisten Dinge, die uns gut tun, ist es hilfreich, wenn sich eine Routine findet, und es ein festes kleines Zeitfenster gibt, am besten täglich, in dem das Abstand einnehmen geübt wird.

Dabei ist zu Beginn eine kurze Achtsamkeitsübung hilfreich, z.B. die kurze STOP Übung

S top: Unterbreche, was Du gerade tust

T ake a deep breath: Atme tief ein und aus, seufze gerne

O bserve: Was passiert gerade? Wohin gehen Deine Gedanken? Wie fühlst Du Dich gerade? Welche Körperempfindungen spürst Du gerade? Was willst Du gerade als nächstes tun? Versuch alles, was Du wahrnimmst, möglichst wenig zu bewerten oder zu beurteilen. Also bitte nicht nach dem Motto: „Das dürfte so gar nicht sein“ oder „Ich müsste eigentlich anders sein“. Das ist manchmal sehr schwer. Wenn es doch passiert, mach Dir bewusst, dass und wie Du Dich bewertest, das reicht schon, um etwas in Deiner Wahrnehmung zu verändern.

P roceed: Nimm‘ den Faden wieder auf oder entscheide, dass Du noch einen Moment länger beobachtest oder nun etwas anderes tun wirst, was Dir gerade in den Sinn gekommen ist.

Oder, wenn es sich um einen fest geplanten Termin mit Dir selbst handelt, dann ist auch „stilles Sitzen“ ein guter Einstieg. Du sitzt aufrecht an einem ruhigen Ort, blickst geradeaus und versuchst, Deine Atmung bewusst wahrzunehmen, indem Du sie zum Beispiel gedanklich mit „Ein“ und „Aus“ begleitest. Gedanken, die auftauchen, lässt Du vorbeiziehen, ohne sie zu bewerten. Du kehrst immer wieder zu Deinem Atem zurück. Das tust Du für einige Minuten.

Nicht zu bewerten oder möglichst wenig zu bewerten, Dich selbst und andere, ist einer der Kernpunkte von Achtsamkeit.

Mit diesen Übungen kann also das Innehalten initiiert werden und mit dem Bewusstmachen und Reduzieren von Bewertung Abstand zu den oft automatisch ablaufenden Gedanken zu schaffen.

Ein zweiter Effekt ist, dass die Achtsamkeitspraxis der Stressreduktion dient. Der Stresszustand ist physiologischerweise ein Zustand, in dem Menschen sehr fokussiert sind, es um Schnelligkeit geht (wir müssen möglicherweise vor einem Tiger davonrennen) und um dieser Schnelligkeit willen auf die am raschesten verfügbaren Reaktionsweisen zurückgreifen (sieh’ Dir auch  unseren Instagram-Beitrag Assoziatives Netzwerk an) Das, was am raschesten verfügbar ist an Reaktionen und Gedanken, ist das, was wir am meisten nutzen und eben nicht das Neue, mal Andere.

Insofern ist es für die Auseinandersetzung mit sich selbst sehr hilfreich, sich in einem ruhigen Erholungszustand zu befinden.

betrachtung von außen - klingt gut, aber wie gelingt das?

Menschen haben verschiedene Zugänge, manchen gelingt es leichter, manchen schwerer, vielfach ist der Dialog mit jemand anderem sehr hilfreich.

Du kannst jedoch auch für Dich alleine zur „Betrachter*in“ werden:

Visualisierung ist dafür eine gute Unterstützerin. Beim Skizzieren eines Bildes oder beim Aufschreiben und Sortieren von Stichworten entsteht automatisch etwas, was Du betrachten und verändern kannst.

Hilfreich ist es oft auch, eine Struktur zu haben, an Hand derer Du Deine Aufzeichnungen sortierst. Im vorletzten Blogartikel ging es um das ikigai-Modell (Blogartikel_ikigai); dieses liefert Dir ein Bild mit vier Bereichen einer erfüllenden Tätigkeit, das Du für Dich durchdenken kannst: Wie schätzt Du Deine aktuelle Zufriedenheit in den vier Bereichen ein, wo lohnt es sich, genauer hinzuschauen, wovon möchtest / brauchst Du mehr?

 

Sinnvoll ist auch der Blick auf alle anderen Lebensbereiche, in denen Du wirkst. Nossrath Peseschkian nennt in seinem Lebensbalance-Modell neben Arbeit und Leistung noch die Bereiche Körper, Kontakt / Beziehungen und Sinn. Unzufriedenheit hat auch oft ihren Grund darin, dass das Verhältnis zwischen unterschiedlichen Bereichen nicht ausbalanciert ist. Veränderungen an der einen Stelle, haben immer auch Veränderungen an der anderen Stelle zur Folge, so dass eine reine Fokussierung auf die Auseinandersetzung mit der Arbeit nicht zielführend ist (siehe auch unseren letzten Blogartikel_WorkLife)

Da sind die familiären Verpflichtungen, die Karriereschritten und beruflichen Ideen im Weg stehen oder zerbrochene Beziehungen, Verluste, ein unerfüllter Kinderwunsch, die plötzlich alles – auch die Arbeit – sinnlos erscheinen lassen.

Und dann?

Wenn es gelingt, ab und zu innezuhalten und zur eigenen Betrachterin zu werden, dann gewinnst Du rasch eine gute Idee, worum es Dir eigentlich geht:

Möchtest Du Dinge ganz grundsätzlich verändern und einen neuen Job suchen, möchtest Du versuchen, aktuelle Gegebenheiten anpassen oder…. ist eigentlich alles ganz gut so wie es ist?

Damit wird aus einer häufig diffusen Unzufriedenheit und den Gedanken „ich müsste etwas ändern…“ / „das sollte so nicht bleiben…“ / „ich stecke fest und sollte doch eigentlich…“

ein konkreterer Auftrag. Du gewinnst Anhaltspunkte, womit Du Dich genauer beschäftigen möchtest.

Wie es dann weitergeht, wie Du zu diesen Anhaltspunkten gute Ziele findest und Dich tatsächlich auf den Weg machst, liest Du in einem unserer kommenden Blogartikel!

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